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Umrundung des Bodensees

Es schien eine gute Idee zu sein, den Bodensee schwimmend zu umrunden. Bislang hat das niemand gemacht und da ich hauptberuflich Apnoe Taucher und damit ja so was wie ein Abenteurer bin, sollte ein solches Abenteuer doch mal einzuplanen sein.

Dabei würde ich jeden Tag ungefähr die olympische Marathon-Schwimmdistanz zurücklegen. Unterbrochen nur von der Messe “InterDive” in Friedrichshafen am Bodensee, wo ich Vorträge über mein Abenteuer halten sollte.

Geplanter Start: 12.09.22. Dieses Datum war bewusst gewählt, direkt nachdem die letzten Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg die Ferien beendet hatten. Denn der Bodensee ist mehr als ein einfacher See. An seine Ufer grenzen nicht nur drei Länder, sondern noch viel mehr Interessensgruppen, die teilweise miteinander im Clinch liegen. Der Bodensee ist Trinkwasserversorgung für einen großen Teil Süddeutschlands, Rückzugsgebiet für seltene Wasservögel, Archäologischer Fundort, Arbeitsplatz von Fischern und nicht zuletzt ein beliebtes Reiseziel für Touristen. Diese wollte ich unbedingt vermeiden. Die Idee direkt nach den Ferien loszuschwimmen und somit mit weniger Bootsverkehr und leereren Campingplätzen konfrontiert zu sein, fand ich am Besten. Denn vor Bootsverkehr habe ich als Freediver ziemlichen Respekt.

Der Bodensee ist eine reizvolle Challenge für viele Schwimmer. So wurde der See schon häufig durchquert und sogar längs durchschwommen. Die Küstenlinie hat einen Umfang von 273km. Da ich den See nicht bis in jede Ecke umschwimmen würde, ging ich von einer Strecke von ca. 180 km aus. Die Besonderheit lag darin, dass ich ohne Support und weitgehend alleine unterwegs sein würde. Alles was ich zum Leben brauchte, würde ich in einer wasserdichten Tasche hinter mir herziehen.

So weit so gut. Die Zeit bis zum 12.09. verflog und es ging tatsächlich los. Ich wurde von einem SWR Team begleitet, welches eine Reportage für die Landesschau darüber drehte.

Die ersten beiden Tage waren noch so, wie ich es mir erhofft hatte. Sommerlich warm und der Bodensee zeigte sich hier in der Schweiz von Romanshorn nach Kreuzlingen von seiner besten Seite. Doch bereits am dritten Tag wurde es kalt und regnerisch. Den Rhein entlang in den Untersee musste ich mit Wellen, Gewitter und windigen Böen klar kommen. Nachts wurde es lediglich 4 Grad “warm” und tagsüber waren es 12 Grad. Bereits in Konstanz hatte ich meine erste Krise. Es war kalt, mein Zelt undicht und ich war einfach erledigt. Wenn die Nächte nicht helfen, sich von den Strapazen des Tages zu erholen, würde es schwierig werden. Hätte ich das gewusst, dann hätte ich meinen Apnea Instinct nicht als 3mm sondern als 5mm Anzug eingepackt.

Auch wenn mein Zelt immer nass war, so wurden die folgenden Tage im Überlinger See doch zu einem Highlight. Da ich ja schnorchelnd unterwegs war, konnte ich die beliebten Tauchziele an der Marienschlucht bei Wallhausen inkl. dem Teufelstisch passieren und auch auf der gegenüberliegenden Seite bei Überlingen die Steilwand bewundern. Die Sicht lag teilweise bei 15m und es war voll von Fischen und unfassbar schönem Bewuchs. Außerdem hat mich mein Kumpel Maik aus Oranienburg bei Berlin für einige Tage begleitet. Mit ihm zusammen habe ich meine ersten 100 KM der Umrundung gefeiert. Darüber war ich sehr froh, denn nun war meine anfängliche Angst, dass ich mich blamiere erstmal überwunden. Dazu kam, dass ein weiterer Mares Ambassador Gerald Nowak mich besuchte und diese tollen Bilder gemacht hat. 

Nach dem Besuch der Messe “InterDive” ging es dann wieder alleine weiter, über Lindau ins Rheindelta, welches bei Bregenz beginnen würde. Insgeheim hatte ich mich darauf gefreut, denn bereits in Ludwigshafen am obersten Ende des Bodensees, hatte ich die aufgrund der eisigen Temperaturen verschneiten Alpen gesehen und war wochenlang darauf zugeschwommen. Nur leider wollte der Österreichische Teil des Sees sich mir in keinster Weise öffnen. Wolkenverhangenes Schauerwetter, eisige Temperaturen und stürmische Böen, brachten mich an die Grenze meiner Leistungsfähigkeit. Und zu sehen gab es …nichts. Über Wasser nur Wolken und unter Wasser trieb der schlammige Rhein nur Morast in den See, die Sicht unter Wasser war nie so schlecht wie dort. Ebenso war auch meine Stimmung. Der Körper kam nach 150 km täglichen 6 Stunden Schwimmen an seine Grenze. Blasen, aufgescheuerte Haut, schmerzende Muskeln und dauerndes Frieren machten mir schwer zu schaffen. Aber das Ende in Romanshorn war nicht fern und so konnte mich mein Wille auch noch die letzten Kilometer mobilisieren. Am Ende waren es 175km schwimmen und ich war der erste Mensch, der den Bodensee umschwommen hat, fast immer alleine und ohne Support von außen. 

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